Die Angst überwinden: Aufbruch zu neuen Ufern!

Ich steige aus dem Wasser, ziehe die Badekappe ab, ich balle die Faust, drehe mich um, sehe auf den See und lächle. “Ich hab’s tatsächlich gemacht! Ich bin ganz allein über den Zürisee geschwommen!” Bis dahin war es jedoch ein mittelweiter Weg. Zwischen mir und dem anderen Ufer war lange Zeit … Angst. Ja, Angst.

Ich gebe zu, ich habe vor vielen Dingen Angst. Große Ängste, kleine Ängste, bewusste Ängste und unbewusste Ängste. Allen Ängsten gemein ist, dass sie mein Leben beeinflussen. Auch wenn ich das nicht will, sie tun es. Nun kann ich kapitulieren oder etwas dagegen unternehmen. Ich habe mich fürs Unternehmertum entschieden. „Auch der stärkste Mann schaut einmal unters Bett“, wusste schon Erich Kästner. Ich habe unter mein Bett geschaut und was habe ich dort gefunden? Achtung, tataaaa … Die Angst davor, dass etwas Schlimmes mit mir passiert, wenn ich weit hinaus in offene Gewässer schwimme. Wohlgemerkt, wenn ich allein hinausschwimme.

Es sind ja bekanntlich die kleinen Dinge, die wir am leichtesten verändern können. Wenn wir mit kleinen Dingen anfangen, ändert sich nach und nach im Großen und Ganzen etwas. Wenn ich jeden Tag etwas ein bisschen anders als gewöhnlich mache (und denke), dann sorge ich dafür, dass mein Morgen anders und nicht wieder gestern wird. Mein Gehirn lernt neue Verhaltens- und Denkmuster. Deshalb habe ich mir vorgenommen, immer wieder neue Dinge auszuprobieren, mich neu zu fordern. Auch, um die oben genannte Angst zu überwinden und sie durch kraftvollere Muster zu ersetzen.

Meine Ufer-Komfortzone

Die Strecke über den Zürisee
Mir wird, wenn ich allein unterwegs und zu weit vom “rettenden” Ufer entfernt bin, irgendwie mulmig. Das habe ich schon des Öfteren gespürt. Ich will dann nicht weiter, ich bleibe lieber in meiner Ufer-Komfortzone. Dabei weiß ich, dass ich eigentlich weiter schwimmen kann. Ich kann problemlos 1,5 Kilometer und mehr am Stück schwimmen. Woher also kommt diese Angst?

Ich könnte jetzt ewig nach dem Grund nach meiner Angst suchen und jahrelang in Therapie gehen, um meine Angst bis ins Detail zu erforschen. Aber so funktioniere ich nicht. Stattdessen tue ich lieber etwas Praktisches dagegen, im Selbstversuch.

Vor vier Wochen habe ich deshalb damit begonnen, (fast) jeden Morgen in den Zürisee zu steigen und zu schwimmen. Anfangs nicht allzu weit vom Ufer entfernt, mit Blick auf den See und die andere Seeseite. Startpunkt ist meist die Badi Utoquai, da diese schon um 7 Uhr in der Früh öffnet. Von dort aus kann ich relativ entspannt ca. 50 bis 75 Meter vom Ufer entfernt am Ufer entlang schwimmen. Boote und Bojen sind immer in meiner Nähe. Das Gefühl, dass etwas Physisches schnell greifbar ist gibt mir Sicherheit und sprichwörtlich Halt. So schwimme ich die ersten Tage. Es erfrischt und wird dann fast schon ein bisschen langweilig.

Irgendwann werde ich es machen

Jeden Morgen beobachte ich, wie unzählige Schwimmer und Schwimmerinnen (zumeist in kleinen Gruppen) den See überqueren. Es sind vermutlich 600 Meter zum anderen Ufer. Hin und zurück also 1,2 Kilometer. Einige von Ihnen haben rote Bojen dabei, die man sich in der Badi ausleihen kann. “Sollte ich mir so eine Boje ausleihen oder ist das zu pussyhaft?” Ich verzichte auf die Boje, denn dafür müsste ich an der Rezeption nachfragen. Noch so eine Angst.

Ich mache lieber so weiter wie bisher. Langsam ranhalten. In Woche zwei schwimme ich zum ersten Mal etwas weiter raus, vielleicht 150 bis 200 Meter, kehre um und schwimme in der Nähe des Ufers weiter. Wann werde ich es wagen? Die Antwort: Am 24. Juni 2018, einem Sonntagmorgen, um 7:30 Uhr.

Ich fühle mich gut, ich fühle mich fit. Die Sonne scheint, der See ist ruhig. Ich steige ins Wasser und schwimme los. 100 Meter, 200 Meter, 300 Meter. “Jetzt bin ich genau in der Mitte. Huch. Zu beiden Ufern ist es gleich weit.” Einige Fischerbotte tuckern in der Distanz, Sportruderer rudern still an ihnen vorbei. “Atmen, Sven, einfach atmen und entspannt weiter schwimmen”, denke ich. “Einen Krampf zu bekommen, das wäre vermutlich ungünstig. Also immer entspannt weiter. Brust, Kraul, Rücken …”

Böse Schwäne?

Und dann bin ich “plötzlich” (nach ca. 15 Minuten) auf der anderen Seite. Ich klettere kurz auf eine Plattform und blicke über den See zurück. “Ich könnte hier auch aussteigen und in der Badehose am Ufer entlang zurück zur Badi Utoquai joggen”, denke ich. Es ist eine gedanklich Option. Aber das würde an meinem Ehrgefühl kratzen. Also nicht zu lange warten, zurück ins Wasser und zurück. “Brust, Kraul, Rücken. Immer ganz entspannt.” Dann bin ich wieder in der Mitte zwischen beiden Ufern. Es nähern sich mir zwei Schwäne. “Hoffentlich attackieren die mich nicht”, ist so ein anderer Gedanke. “Eine andere Angst, mit der ich mich unbedingt auch einmal beschäftigen will”, denke ich.

Und während ich so denke, komme ich dem Ausgangsufer immer näher. Die letzte Unsicherheit weicht und ich spüre so etwas wie Freude. “Jetzt kann mir eigentlich nichts mehr passieren.” Und tatsächlich, 3 Minuten später steige ich aus dem Wasser, ziehe die Badekappe ab, balle die Faust, drehe mich um, sehe auf den See und lächle. “Ich hab’s tatsächlich gemacht! Ich bin ganz allein über den Zürisee geschwommen!”

Und welche Angst wirst du als nächstes überwinden bzw. welche Angst hast du zuletzt (wie) überwunden?

PS: Ich gebe zu, ich würde schon gerne wissen, woher diese Angst kam und kommt. Ein erster Zug in Richtung Befreiung ist gemacht, weitere dürfen folgen… 🙂

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